Adventskalender

14

Gleich zweifach beginnt die gedruckte Ausgabe des als Wuhan Diary veröffentlichten Tagebuchs der chinesischen Autorin Fang Fang mit der 14: 14 im Gesundheitswesen Beschäftigte hätten sich bis zum 20. Januar bereits mit dem neuartigen Coronavirus infiziert, und auf 14 Tage schätze man die Inkubationszeit des Virus, informiert die Autorin auf der ersten Doppelseite der englischsprachigen Übersetzung[1]. Fang hat ihrem während der Quarantäne von Wuhan täglich in Form von Blogbeiträgen erschienenen Dispatch für den Druck eine… Weiterlesen

Adventskalender

13

Dreizehn Thesen zu „Dreizehn Thesen…“. „Thesen“, also Positions-Posituren, Aufstellungen von mehr oder weniger apodiktisch formulierten Behauptungen kommen meist im festen Verbund daher, als abgeschlossene Serie und überschau- und zählbares Ensemble. Während Argumente sich horizontal miteinander verknüpft und verkettet wie ein ausfransender Teppich präsentieren, treten Thesen auf wie senkrechte Stelen, wie eine Ansammlung von nebeneinander aufragenden Gedanken-Säulen. Weiterlesen

Adventskalender

12

Die Ziffer zwölf bietet unzählige Bezugsmöglichkeiten. Nicht nur, dass die Anzahl der Mitglieder des ursprünglichen Hallenser Spirituskreises stets auf zwölf begrenzt war, nein selbst das griechische Götterpantheon bezifferte sich sowohl in seiner Olympischen als auch in seiner Titanischen Gestalt durch sie. Fraglich, wer sich hier durch wen inspiriert wusste. Andere mythographische Optionen der Ausschreibung ergeben sich im Hinblick auf die Prüfungen des Herkules oder der Tierkreiszeichen. Doch all das ist vielleicht zu naheliegend. Zumal wenn es sich um den Advent, sprich Weiterlesen

Adventskalender

11

Es gibt eine merkwürdige Entsprechung, ja: eine Allianz, oder im Duktus der Texte: eine Verbrüderung zwischen Jesus, dem Verratenen, und Judas, dem Verräter. Sie sind die beiden Seiten des Verrats. Beide nehmen Schuld auf sich – durch subversive Aktion der eine, durch provozierende Passion der andere. Der eine überliefert, wie die Texte sagen, den anderen, wozu jener im Modus einer self-fulfilling prophecy auffordert. Eine Instrumentalisierung, könnte man denken, weil diese Überlieferung die Angst überwinden Weiterlesen

Adventskalender

10

Ok, wir haben normalerweise 10 Finger und 10 Zehen, und Ersteres ist beim (klassischen) Klavierspielen insofern sinnvoll, weil auch bei vollsten Akkordgriffen immer noch ein paar Reserve-Finger übrig sind (Akkorde mit mehr als acht gleichzeitig gespielten Tönen wird man außer bei Rachmaninov kaum finden, meistens sind es nur vier oder fünf) – und auch beim Tastaturtippen am Computer ist das „Zehnfingersystem“ nur eine „Over-Achiever“-Option für Angeber. Und wenn man noch mehr Finger hätte, bekäme man wahrscheinlich die Koordinationsprobleme des Tausendfüßlers. Trotzdem gehört die Zehn eher zur Kultur als zur Natur, eher zur Hierarchie als zur Biologie, Weiterlesen

Adventskalender

9

Die Neunte. Seit Beethoven haben alle Angst vor ihr. Also alle, die meinten sich im Genre der Sinfonik zu vertun. Einerseits, weil die Beethoven’sche Neunte wie die Vollendung des Genres herausragte, aber auch, weil die neunte Sinfonie einige Male das Letzte war, was ein Komponist vollbrachte. Brahms vernichtete vorsorglich so viele seiner Versuche, dass es schlichtweg nie bis zu einer Neunten kommen konnte. Im Genre, von dem ich spreche, ist die 9 eine hohe Zahl…. Weiterlesen

Adventskalender

8

Acht Zählt nicht nicht nur das Zählen, zählt nicht auch das Wort, der Signifikant? Ich schreibe sie, die Acht. Als 8, als acht, als Acht… und höre sie, das Kratzen der Feder auf dem Papier, die Bewegung der Hand, die den Stift führt; höre sie, wie ich sie leise mitspreche, ganz leise zu mir [axt], die Bewegung der Zunge, gewölbt zum Rachen hin die Bewegung zur Zungenspitze, wie sie fast an meinen Zähnen schnippt, wie… Weiterlesen

Adventskalender

7

Das glass ceiling ist bei Billy Wilder eine Fußbodenattrappe über einer gedeckelten Treppe, die dadurch zu einem surrealen Möbel wird: »a stairway to nowhere«.[1] Die Rede ist von The seven year itch (1955), bekannt wegen eines über einem U-Bahn-Schacht aufwirbelnden Rockes. Vergessen dagegen der Film selbst: ein erhitzter Tagtraum, eine in die dekorierte Enge eines Apartments in Manhattan versetztes forum internum, eine Schuld- und Lustphantasie eines in der Großstadt eingesperrten Angestellten. Mit dem »7. Jahr«… Weiterlesen

Adventskalender

6

Playing the Game?   Einem unvermeidlichen Impuls folgend, dem Internet allgemeines Wissen über die Zahl 6 zu entlocken und daraus Inspiration für diesen Artikel zu ziehen – denn wer kramt heute schon noch in eigenen Erinnerungen? – stolperte ich über „Den Rat der Sechs“ mitten hinein in die Welt der Gaming Portale. Dort las ich solcherlei Anweisungen: “Es tut mir leid, dass ich Euch nicht über die Situation auf dem Laufenden gehalten habe. Wir brauchten… Weiterlesen

Adventskalender

5

Wie klingt Sprachverlust? Über Thomas Klings Actaeon 5.

funde von bildchen am rand, die ramponierten idole.
verlautbarungen aus der idyllenanstalt. bildfunken eines
angeschlagenen römischen reliefs, gewaltdarstellung.

hier hat natur in abgelegenem gelände ein kunstwerk
hingeklotzt. Dianas täuschend echte badegrotte, aus der,
durchsichtig bis zum grund, die quelle klingelt, plot.

wo D., nackt, von A. ertappt, nicht lange fackelt, wenig Weiterlesen

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