Als Lektüre- und Diskussionsforum jenseits der klassischen Differenz von Forschung und Lehre ist der Spiritus-Kreis an der Friedrichshafener Universität ein Novum. Traditionen andernorts gibt es gleichwohl; so verdankt sich der Name einem an der Halleschen Universität von 1890 bis 1958 bestehenden, der Berliner Mittwochsgesellschaft verwandten Akademikersalon, der (bis zur Zerschlagung) für seine beharrliche Pflege freier, anspruchsvoller Intellektualität namhaft und angesehen war (vgl. Stengel 1998, 260ff.). Unter heutigen Rahmenbedingungen und dem gegenwärtigen Selbstverständnis von Akademikern folgend versteht sich der Spiritus-Kreis natürlich nicht mehr als ›Club‹, sondern als offene Runde von Menschen, die an konzentrierter Lektüre und hierarchiefreier Diskussion gleichermaßen interessiert sind. Im Fokus steht ein jedes Semester neu vereinbartes philosophisches Werk, das in zweiwöchentlichen Treffen erarbeitet wird (ab September 2017: Kleine Schriften von Immanuel Kant).

Durch die Beteiligung am Literaturherbst der Stadt Friedrichshafen kann die dabei geübte Debattenkultur erprobt und zugleich der interessierten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

NÄCHSTE VERANSTALTUNGEN

Weiter Klang. Literaturdiskussion und Film

in Zusammenarbeit mit dem     Wort_Bild_LH_17_neg

Montag, 13.11., 19.00 Uhr – Kino 17 in der Kulturcaserne am Fallenbrunnen

Bericht hier und hier

Maren Lehmann, Christina Weiss und Joachim Landkammer haben als Mitleser und Mitdiskutanten für die diesjährige Belletristik-Diskussion beim Literaturherbst den Kantor, Organisten, Dirigenten und Komponisten Nikolai Geršak eingeladen.
Bei der Auswahl der zu diskutierenden Romane zum Literaturherbst-Thema „Weite Sicht“ läßt sich der Spirituskreis inspirieren von dem Dokumentarfilm „Heimatklänge. Vom Juchzen und anderen Gesängen“ (2007) von Stefan Schwietert, der auch im Anschluß gezeigt wird. Wie auch in der Literatur unvorhergesehene „Weite Sicht“ durch radikale Neuinterpretation von traditionellen, ja „provinziellen“ Themen und Ausdrucksmöglichkeiten entstehen kann, wird am Beispiel von folgenden vier Romanen diskutiert:

Thomas Bernhard, Frost, 1963
Robert Schneider, Schlafes Bruder, 1995
Katharina Hacker, Eine Dorfgeschichte, 2011
Josef Bierbichler, Mittelreich, 2011

literaturherbst plakat 2017

 

VERGANGENE VERANSTALTUNGEN

Montag, 17.10.2016, 20.00 Uhr, Kiesel, Innenstadt FN
Literarisches Quartett
(in Zusammenarbeit mit dem Literaturherbst 2016)

mit  Prof. Dr. Dr. h.c. Ulrich Raulff (Kulturwissenschaftler, leitender Kulturredakteur, Autor und Direktor des Deutschen Literaturarchivs Marbach) und Freddy Langer (Leitender Redakteur des Reiseressorts der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und Autor und Herausgeber mehrerer Bände essayistischer Reisebeschreibungen)

Die Diskussion über Wander- und Reiseliteratur nahm ihren Ausgang von zwei Werken: Wolfgang Büscher, Berlin-Moskau. Eine Reise zu Fuß (Reinbek 2003) und Christoph Ransmayr, Atlas eines ängstlichen Mannes (Frankfurt am Main 2014).

Vgl. Vorbericht in der Schwäbischen Zeitung v. 13.10.2016, Nachbericht von Harald Ruppert im Südkurier vom 19.10.2016

Freitag, 07.10.2016, 17.00 Uhr, Casino-Kulturraum in der Kulturcaserne im Fallenbrunnen
»Es brennt mir unter beiden Sohlen, tret‘ ich auch schon auf Eis und Schnee«
Eine Winterreise

(in Zusammenarbeit mit Seekult 2016 und Literaturherbst 2016)

Zu einer Auswahl von Liedern aus Schuberts Winterreise (Angelika Bamber, Sopran und  Angelika Nebel, Klavier) liest Freddy Langer, leitender Redakteur des Reiseblatts der FAZ aus seinen Reiseberichten und zeigt seine Photos.

Vgl. dazu Ralf Schäfer in der „Schwäbischen Zeitung“ vom 10.10. hier