Spiritusblog

»… daß euer Geist nicht mit euerer Lage verarme« (Jean Paul)

Blumenberg V: Sprachsituation und immanente Poetik

Am Anfang des 2012 neu herausgegebenen Nachlaß-Texts „Quellen“ nennt Blumenberg zwei in der Geschichte begegnende „Grundformen“ von „Ordnungsrufen“: „ad res“ und „ad fontes“. Der erste Ruf, der ein (Zurück) „Zu den Sachen“ fordert, „bindet sich an die „Disjunktion von Sachen und Worten, Wirklichkeit und bloßer Rede, Realismus und Rhetorik“ (9). Wir kennen diese philosophiegeschichtlich u.a. mit Husserl verbundene Maxime („Wir wollen auf die ‚Sachen selbst‘ zurückgehen“ heißt es 1900 in […]

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Mit Behörden reden – Formularreplik mit Morgenstern (I)

Work in progress – 1. Lieferung Die Behörde Korf erhält vom Polizeibüro ein geharnischt Formular, wer er sei und wie und wo. Welchen Orts er bis anheute war, welchen Stands und überhaupt, wo geboren, Tag und Jahr. Ob ihm überhaupt erlaubt, hier zu leben und zu welchem Zweck, wieviel Geld er hat und was er glaubt. Umgekehrten Falls man ihn vom Fleck in Arrest verführen würde, und drunter steht: Borowsky, […]

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Blumenberg IV: Wirklichkeitsbegriff und Möglichkeit des Romans

Ich stelle hier nur eine kurze Zusammenfassung zur Diskussion. Der Text schließt direkt an den Nachahmungs-Aufsatz an; hier wird ab S. 60 die Idee wiederholt, daß gegenüber einer Welt, verstanden als durch einen göttlichen Willen realisierte Schöpfung, auch der Künstler zum Schöpfer eines mit diese Welt konkurrierenden Nach-Schöpfers wird, der sie allerdings nicht mehr idealisieren und optimieren kann (und darf), sondern ihr im Roman „eine Welt“ als „weltebenbürtiges“ Werk an […]

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Blumenberg III: Nachahmung der Natur

Im Blumenberg-Film von Christoph Rüter ist zweimal die offenbar aus einer Vorlesung stammende Audio-Einspielung zu hören, in der Blumenberg (sinngemäß) behauptet, daß, wer nicht verstanden habe, daß die Frage „warum überhaupt das Sein sei und nicht vielmehr nichts“ die zentrale Frage der Philosophie sei, nichts von Philosophie verstanden habe. In dem Aufsatz über die Idee der „Nachahmung der Natur“ (und über den Verfall dieser Idee) wird der „Natur“-Begriff meist als […]

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Blumenberg IIa: Schiffbruch mit Zuschauer

Als Nachtrag zum Beitrag II: Andrea Rodighiero hat 2009 in einem Aufsatz in „md. Materiali e discussioni per l´analisi dei testi classici“ u.a. auf eine Wiederkehr des Lukrez-Topos bei Proust hingewiesen. Im Band 4 („Sodom und Gomorrha“) seiner „Suche nach der Verlorenen Zeit“ wird eine Szene mit dem gealterten, todkranken Swann so geschildert: Die drei Anfangsworte „Suave, mari magno…“ genügen hier, um Lukrez‘ Anfang des zweiten Buchs „De rerum natura“ […]

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Blumenberg II: Schiffbruch mit Zuschauer

Blumenberg zeichnet eine Evolution der Schiffbruchs-Zuschauer-Metapher nach, die man als paradoxale gleichzeitige Dramatisierung und Normalisierung beschreiben könnte: wenn die klare Trennung Schiffbrüchige vs. Zuschauer wegfällt bzw. verwischt wird, weil „wir“ gleichzeitig beides sind, dann wird auch klar, daß das „Abenteuer Seefahrt“ gar kein Resultat einer Entscheidung mehr ist (die den „Mutigen“ vom „Furchtsamen“ unterscheiden könnte), sondern – navigare necesse est! – der Aufbruch ins Ungewisse ist uns qua Existenz immer […]

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Blumenberg Ia, Schiffbruch mit Zuschauer

Noch zu dem, worüber wir auch noch nicht diskutiert haben… Wenn man Wert auf Aktualisierbarkeit legt, könnte man an die Gegenüberstellung Horaz/Alkaion, die Blumenberg S. 46ff. (wichtig dazu auch die Anmerkungen 49ff.) diskutiert, anknüpfen und hier die immer wiederkehrende Frage nach dem Grad der Rede- und Erklärungslegitimität des Teilnehmers vs. der des Beobachters bewegt sehen.

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