Spiritusblog

»… daß euer Geist nicht mit euerer Lage verarme« (Jean Paul)

Blog

  • Nochmal zur Bamberger „Geste der Völkerverständigung“ in China

    6. Dezember 2019 by

    Von Joachim Landkammer Hartmut Welscher hat unter dem Titel „Rote Sonne, schöne Bilder. Deutsche Orchester auf Asientournee“ den hier im Blog geschilderten und mehrfach kommentierten Vorgang in seinem Online-Magazin VAN aufgegriffen, allerdings nur als Texteinstieg und Aufhänger. So richtig das von seiner Überschrift ja bereits angedeutete Anliegen sein mag, sich auch einmal über die ökologische („nachhaltige“) Sinnhaftigkeit von Orchester-Fernreisen Gedanken zu machen, so sehr verkürzt und relativiert es das musikpolitische… Weiterlesen

  • Mangelnder Zugriff auf die Lebenswelt – Exkursion ins Literaturarchiv Marbach

    20. November 2019 by

    Von Jana Schmitz Eine Exkursion, die zu zwei Dritteln aus Weg besteht. Der Blick aus dem Fenster, die steilste Zugstrecke Deutschlands und die Suche nach Nahrung zwischen Süßen und Kuchen. Haben Philosophen Angst nicht anzukommen? Es scheint so. Bis Ravensburg fahren wir 40 km/h. Wir passieren zwei gestörte Zugübergänge und ein falsch gespraytes Antifa Symbol. Auf der Anzeige leuchtet: 08.03.2000. Einige von uns sind noch nicht geboren. Fünf Stunden Anreise… Weiterlesen

  • „Völkerverständigung“ im Geiste Maos – Die Bamberger Symphoniker fallen in China auf die Knie

    12. November 2019 by

    Von Joachim Landkammer Was ist der Sinn der sog. „klassischen“ Hochkultur, sofern sie nicht zum unreflektiert weitergeschleppten Traditionsgut konservativer Modernitätsverweigerer oder zum teuren Renommierobjekt einer privilegierten Schicht und ihrer eitlen Distinktionsbedürfnisse verkommen ist? Doch wohl einzig der, den allerhöchsten Perfektions- und Qualitätsanspruch all dessen, was zum Kanon des Klassischen und zu dessen strengen Produktions- und Rezeptionsvoraussetzungen gehört, auch mit einem strengen Vorbehalt gegen alles halbseidene, unechte, dilettantisch-kompromißlerische Außer- und Nichtkünstlerische… Weiterlesen

  • Blumenberg V: Sprachsituation und immanente Poetik

    16. Oktober 2019 by

    Am Anfang des 2012 neu herausgegebenen Nachlaß-Texts „Quellen“ nennt Blumenberg zwei in der Geschichte begegnende „Grundformen“ von „Ordnungsrufen“: „ad res“ und „ad fontes“. Der erste Ruf, der ein (Zurück) „Zu den Sachen“ fordert, „bindet sich an die „Disjunktion von Sachen und Worten, Wirklichkeit und bloßer Rede, Realismus und Rhetorik“ (9). Wir kennen diese philosophiegeschichtlich u.a. mit Husserl verbundene Maxime („Wir wollen auf die ‚Sachen selbst‘ zurückgehen“ heißt es 1900 in… Weiterlesen

  • Mit Behörden reden – Formularreplik mit Morgenstern (I)

    9. Oktober 2019 by

    Work in progress – 1. Lieferung Die Behörde Korf erhält vom Polizeibüro ein geharnischt Formular, wer er sei und wie und wo. Welchen Orts er bis anheute war, welchen Stands und überhaupt, wo geboren, Tag und Jahr. Ob ihm überhaupt erlaubt, hier zu leben und zu welchem Zweck, wieviel Geld er hat und was er glaubt. Umgekehrten Falls man ihn vom Fleck in Arrest verführen würde, und drunter steht: Borowsky,… Weiterlesen

  • Blumenberg IV: Wirklichkeitsbegriff und Möglichkeit des Romans

    8. Oktober 2019 by

    Ich stelle hier nur eine kurze Zusammenfassung zur Diskussion. Der Text schließt direkt an den Nachahmungs-Aufsatz an; hier wird ab S. 60 die Idee wiederholt, daß gegenüber einer Welt, verstanden als durch einen göttlichen Willen realisierte Schöpfung, auch der Künstler zum Schöpfer eines mit diese Welt konkurrierenden Nach-Schöpfers wird, der sie allerdings nicht mehr idealisieren und optimieren kann (und darf), sondern ihr im Roman „eine Welt“ als „weltebenbürtiges“ Werk an… Weiterlesen

  • Blumenberg III: Nachahmung der Natur

    30. September 2019 by

    Im Blumenberg-Film von Christoph Rüter ist zweimal die offenbar aus einer Vorlesung stammende Audio-Einspielung zu hören, in der Blumenberg (sinngemäß) behauptet, daß, wer nicht verstanden habe, daß die Frage „warum überhaupt das Sein sei und nicht vielmehr nichts“ die zentrale Frage der Philosophie sei, nichts von Philosophie verstanden habe. In dem Aufsatz über die Idee der „Nachahmung der Natur“ (und über den Verfall dieser Idee) wird der „Natur“-Begriff meist als… Weiterlesen

  • Blumenberg IIa: Schiffbruch mit Zuschauer

    20. September 2019 by

    Als Nachtrag zum Beitrag II: Andrea Rodighiero hat 2009 in einem Aufsatz in „md. Materiali e discussioni per l´analisi dei testi classici“ u.a. auf eine Wiederkehr des Lukrez-Topos bei Proust hingewiesen. Im Band 4 („Sodom und Gomorrha“) seiner „Suche nach der Verlorenen Zeit“ wird eine Szene mit dem gealterten, todkranken Swann so geschildert: Die drei Anfangsworte „Suave, mari magno…“ genügen hier, um Lukrez‘ Anfang des zweiten Buchs „De rerum natura“… Weiterlesen

  • Blumenberg II: Schiffbruch mit Zuschauer

    19. September 2019 by

    Blumenberg zeichnet eine Evolution der Schiffbruchs-Zuschauer-Metapher nach, die man als paradoxale gleichzeitige Dramatisierung und Normalisierung beschreiben könnte: wenn die klare Trennung Schiffbrüchige vs. Zuschauer wegfällt bzw. verwischt wird, weil „wir“ gleichzeitig beides sind, dann wird auch klar, daß das „Abenteuer Seefahrt“ gar kein Resultat einer Entscheidung mehr ist (die den „Mutigen“ vom „Furchtsamen“ unterscheiden könnte), sondern – navigare necesse est! – der Aufbruch ins Ungewisse ist uns qua Existenz immer… Weiterlesen

  • Blumenberg Ia, Schiffbruch mit Zuschauer

    13. September 2019 by

    Noch zu dem, worüber wir auch noch nicht diskutiert haben… Wenn man Wert auf Aktualisierbarkeit legt, könnte man an die Gegenüberstellung Horaz/Alkaion, die Blumenberg S. 46ff. (wichtig dazu auch die Anmerkungen 49ff.) diskutiert, anknüpfen und hier die immer wiederkehrende Frage nach dem Grad der Rede- und Erklärungslegitimität des Teilnehmers vs. der des Beobachters bewegt sehen.

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