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15

15, oder: Ein anderer Platz in Paris

 

Im Oktober 1974 lässt sich Georges Perec in drei aufeinander folgenden Tagen und zu unterschiedlichen Tageszeiten am Place St. Sulpice im Herzen des 6e Arrondissement nieder. Er unternimmt, wie der Titel seines Buches besagt, den „Versuch einen Platz in Paris zu erfassen“ und notiert mal als flüchtigen Eindruck, mal akribisch – wie ein Registereintrag anmutend – das Treiben auf dem Platz. Anstatt die an den Place St. Sulpice angrenzenden eleganten Fassaden, zum Gegenstand seiner Beobachtung zu machen, schildert er die sozialen Interaktionen, das Alltägliche. Er schildert, „was man im Allgemeinen nicht notiert, das was nicht bemerkt wird, was keine Bedeutung hat, das, was passiert, wenn nichts passiert“ (Perec 2010 (1976): 9).

Was lässt sich erfassen, wenn wir die Aufmerksamkeit von den steinernen Fassaden ab und den Geschehnissen zuwenden? Tempo? Zeitgeist? Mode? Was lässt sich in Worten, was in Fotos, was in Videos erfassen? Wie sehr ist Erfassen immer auch ein Weglassen?

 

Anmerkung: Die Route vom Place St. Sulpice, an dem Perec für seine Beobachtungen Platz genommen hat, ins südwestlich gelegene 15e Arrondissement ist einfach. Einmal auf die Rue de Rennes gefunden, biegt mensch einmal rechts in die Rue Vaugirard und einige Zeit später erneut rechts auf den Place Adolphe Cherioux ab. Am Fuße des kleinen gleichnamigen Parks erstreckt sich der Platz, über dem das Rathaus des 15e Arrondissements aufragt.

 

Literatur

Perec, Georges (2010): Versuch einen Platz in Paris zu erfassen. Konstanz.

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