Unüberwindbarkeit der Moderne

Hallo,

hier nochmal der Hinweis auf Ágnes Hellers Reflektionen über Hegels Vorrede vom 18.6.2008 in Stuttgart: http://www.izkt.de/index.php/cat/87/aid/355/title/Erstmals_online:_Podcasts_aus_der_Reihe_Kulturtheorien

Für Heller bedeutet “Hier ist Rhodus, hier springe”: Wir können nicht über unser eigenes Rhodus, die Epoche der Moderne, hinausspringen. Es ist unmöglich, die Essenz der Moderne metaphysisch zu begreifen, so lange wir in ihr drin stecken. Für Hegel ist es dennoch die Aufgabe der Philosophie, die Substanz der Moderne freizulegen. Diese Substanz ist im Sinne des Weltgeistes ewig und immanent; sie ist Subjekt und gibt der Moderne eine Bedeutung, die sich in allen Erscheinungen, Kontingenzen und Transzendenzen ausdrückt. Nun können wir aber als Kinder der Moderne diese, unser Rhodus, nicht vollständig überblicken, geschweige denn verstehen oder repräsentieren.

Wir können vielleicht nicht über Rhodus hinausspringen, aber wenigstens ein bisschen auf der Stelle hüpfen: In Reflektionen über verschiedene spezifische Phänomene und Probleme der Moderne (Arbeit, Technik, Denken, Wissenschaften…) erhaschen wir zumindest ein bisschen von ihrer Substanz; dies ist es eigentlich, was jeder moderne Philosoph oder Soziologe versucht. Demnach ist die Philosophie noch nicht mal das simple Nachsingen der Melodie, die unsere Zeit uns vorsingt, um mit Herrn Landkammer zu sprechen, es ist eigentlich noch viel schlimmer. Ihre Melodie weht nur unvollständig zu uns rüber und beim Nachsingen treffen wir nur jeden zweiten Ton; aber immerhin, Hauptsache ist erstmal dass wir überhaupt singen.