Wozu überleben?

Für eine gelassene Apokalyptik

Am Rande von zwei Vorträgen im Kolloquium des Zentrums für Kulturproduktion am 5.10.2020 (und zum artsprogram-Jahresthema „Apokalypse und Weltrettung“) Alle ökologiebewußten Aufrufe zum radikalen Um-Denken und Anders-Handeln berufen sich auf ein „So geht es nicht weiter“, das meist alles in Frage stellt außer diesem „weiter“ selbst. Warum es überhaupt „weiter“ gehen soll und muß, scheint weniger eine unbeantwortbare als eine schlechthin unangemessene, weil unanständige Frage zu sein. Jede Form neuer „Moralität“ geht aus von der… Weiterlesen

Was Menschen können (werden)

Zur Podiumsdiskussion „Künstliche Intelligenz als Apokalypse?“ mit Jan Söffner, Hans Ulrich Gumbrecht und Sam Ginn (11.2.2020)* Aus dem großen Reservoir an möglichen Stellungnahmen und Einwänden zu dieser Diskussion sei zunächst nur dieser eine Punkt ausgewählt: Sam Ginn, der hochdotierte forsche Start-Up-Gründerstar, meinte, die Lächerlichkeit unserer Vorstellung, den Rechnern und der „künstlichen Intelligenz“ etwas voraus haben zu können, damit illustrieren zu können, daß er behauptet, wir hätten bisher einfach als spezifisch „menschliche Kompetenz“ immer nur das… Weiterlesen

Zuschreibungen, Missverständnisse

Überlegungen zum Workshop „Kunst und Gewalt“, Universität Bielefeld

Anschlussüberlegungen zum Workshop „Kunst und Gewalt“ der Arbeitskreise „Soziologie der Künste“ und „Gewalt als Problem soziologischer Theorie“6. und 7. Februar 2020, Universität Bielefeld In funktional differenzierten Gesellschaften delegitimieren Zuschreibungen von Gewalt ein Verhalten ebenso wie die Person, der es zugeschrieben wird. Wer gewalttätig wird, kann nicht „im Recht“ sein (es sei denn, sie oder er handelt in der Rolle einer oder eines Exekutiven des Rechts selbst). Der Delegitimierung lässt sich (vorläufig) über diese Rolle (Monopolisierung… Weiterlesen

Nochmal zur Bamberger „Geste der Völkerverständigung“ in China

Hartmut Welscher hat unter dem Titel „Rote Sonne, schöne Bilder. Deutsche Orchester auf Asientournee“ den hier im Blog geschilderten und mehrfach kommentierten Vorgang in seinem Online-Magazin VAN aufgegriffen, allerdings nur als Texteinstieg und Aufhänger. So richtig das von seiner Überschrift ja bereits angedeutete Anliegen sein mag, sich auch einmal über die ökologische („nachhaltige“) Sinnhaftigkeit von Orchester-Fernreisen Gedanken zu machen, so sehr verkürzt und relativiert es das musikpolitische Grundsatz-Problem, um das es mir (und: eigentlich) geht… Weiterlesen

Mangelnder Zugriff auf die Lebenswelt – Exkursion ins Literaturarchiv Marbach

Eine Exkursion, die zu zwei Dritteln aus Weg besteht. Der Blick aus dem Fenster, die steilste Zugstrecke Deutschlands und die Suche nach Nahrung zwischen Süßen und Kuchen. Haben Philosophen Angst nicht anzukommen? Es scheint so. Bis Ravensburg fahren wir 40 km/h. Wir passieren zwei gestörte Zugübergänge und ein falsch gespraytes Antifa Symbol. Auf der Anzeige leuchtet: 08.03.2000. Einige von uns sind noch nicht geboren. Fünf Stunden Anreise und fünf Stunden Abreise trennen an diesem Tag… Weiterlesen

„Völkerverständigung“ im Geiste Maos – Die Bamberger Symphoniker fallen in China auf die Knie

Was ist der Sinn der sog. „klassischen“ Hochkultur, sofern sie nicht zum unreflektiert weitergeschleppten Traditionsgut konservativer Modernitätsverweigerer oder zum teuren Renommierobjekt einer privilegierten Schicht und ihrer eitlen Distinktionsbedürfnisse verkommen ist? Doch wohl einzig der, den allerhöchsten Perfektions- und Qualitätsanspruch all dessen, was zum Kanon des Klassischen und zu dessen strengen Produktions- und Rezeptionsvoraussetzungen gehört, auch mit einem strengen Vorbehalt gegen alles halbseidene, unechte, dilettantisch-kompromißlerische Außer- und Nichtkünstlerische zu verbinden. Von einem auf ranghöchstem Weltniveau spielenden… Weiterlesen

Mit Behörden reden – Formularreplik mit Morgenstern (I)

Work in progress – 1. Lieferung Die Behörde Korf erhält vom Polizeibüro ein geharnischt Formular, wer er sei und wie und wo. Welchen Orts er bis anheute war, welchen Stands und überhaupt, wo geboren, Tag und Jahr. Ob ihm überhaupt erlaubt, hier zu leben und zu welchem Zweck, wieviel Geld er hat und was er glaubt. Umgekehrten Falls man ihn vom Fleck in Arrest verführen würde, und drunter steht: Borowsky, Heck. Korf erwidert darauf kurz… Weiterlesen

Die Zeitung von gestern (12)

Der Schlachtruf der Solidarität – Dietmar Daths Beschwörung der linken Weltformel (3.11.2017) Joachim Landkammer Er hat es wieder getan. Er durfte es wieder tun. Ab und zu darf der Salon- und Feuilleton-Kommunist der FAZ, Dietmar Dath, nicht nur über Pop- und Rockmusik, sondern auch mal über seine eigentlichen, über richtige Themen schreiben, also über das Böse und das Gute, also über die Bösen und die Guten, also darüber, was „für die Welt wahrhaftig besser“ wäre,… Weiterlesen

Des Teufels philosophierender Advokat. Warum man die AfD in der politischen Debatte nicht braucht

Joachim Landkammer Der Theorieblog.de berichtet über die Debatte, die sich im Nachgang zur Einladung des AfD-Politikers Marc Jongen zur Konferenz „Crises of Democracy: Thinking in Dark Times“, die 12./13.10. am „Hannah Arendt Center for Politics and Humanities“ am Bard College, New York entsponnen hat: eine Reihe von ProfessorInnen (darunter Seyla Benhabib, Judith Butler, Rainer Forst, Axel Honneth u.a.) haben gegen diese Einladung in einem Offenen Brief an den Leiter des Centers, Roger Berkowitz, protestiert.