Kleine Kant-Schriften I: Die anti-heroische Geschichtsphilosophie der Aufklärung

Joachim Landkammer

Es scheint durchaus sinnvoll, Kants Idee zu einer allgemeinen Geschichte in weltbürgerlicher Absicht VOR der Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung? (beide aus dem Jahr 1784) zu lesen, wie im Spirituskreis geschehen. Denn auch die Aufklärungsschrift hat deutliche Bezüge zum optimistischen Fortschrittsglauben von Kants Geschichtsphilosophie. Weiterlesen

Die Zeitung von gestern (11)

Wie die Fruchtfliegen (3.8.2017)

Gestern im Wissenschaftsteil der FAZ diese kleine Meldung am Rande:

Fruchtfliegen

Wissenschaftliche Arbeit scheint ja vor allem dann interessant, wenn sie dazu führt, daß auf ersten Blick erstaunliche, unerwartete Ergebnisse dann trotzdem plausibel erklärt werden können; wenn man also zwar mit dem schon von den alten Griechen verlangten „Staunen“ anfängt, aber aus ihm eben auch wieder herauskommt. Daß Männchen sexualtrieblich nicht permanent in Allzeit-Bereitschaft stehen, und das Weibchen nicht nur in raren, sorgsam vorzubereitenden special moments paarungsbereit ist, wie man nur allzu anthropomorph vermutet hätte, scheint hier erstmal widerlegt. Aber die kleine Drosophila-Dame bestätigt gerade mit ihrem hier festgestellten Verhalten die allgemein-animalisch unterstellte, feminine Sexual-Minder-Affinität: sie kann immer, weil ihr Schlafen, Fressen, Nichtstun oder eben Sich-um-die-Fortpflanzung-Kümmern völlig einerlei und dasselbe sind. Der Mann, der nach Georg Simmel „seine Kraft eher [als eine Frau] in eine einseitig festgelegte Richtung fliessen lassen“ kann, muß in dieser Einseitigkeit auch vollständig präsent und auf der Höhe der Aufgabe sein: dann ist die sexuelle Null-Performanz des Schlafs freilich viel besser als die Schmach, mittendrin aus Müdigkeit zu underperformen – sei es auch sonst der „perfekte Partner“. Wenn schon, denn schon, meint Mann. Für frau gilt hingegen: wer eigentlich sowieso nie wirklich will, kann dann ja auch immer wollen. Männlich handeln heißt, meint Simmel, „die Leistung in die Distanz der Objektivität“ zu stellen; die holde Weiblichkeit kennzeichne hingegen „mangelnde Differenziertheit, geschlossene Einheitlichkeit des seelischen Wesens“. Höhere Einheitlichkeit ist denn auch die Chiffre, mit der Simmel den genannten „Mangel“ als nicht abwertend gemeinte, dem männlichen Leistungs-Syndrom positiv gegenüberstellte weibliche Andersheit schönreden will.

Man kann für heute die gendertheoretisch hochproblematische Unterscheidung auf sich beruhen und sich von den Naturwissenschaftlern dahingehend trösten lassen, daß beide Verhaltensweisen gleichermaßen biologisch sinnvoll und funktional sind: „It appears that whichever behavior has the highest biological drive suppresses the other behavior“, wird ein beteiligter Forscher zitiert. Männliches sexualabstinentes Schlafen oder weibliches sexuell aktives Wachbleiben, Mutter Natur ist beides recht. Aber man(n) könnte von den Fruchtfliegenweibchen lernen, daß nichts im Leben so hoch gehängt werden darf, daß ein bißchen Müdigkeit ein Grund wäre,  es nicht auch halb im Schlaf zu tun bzw. über sich ergehen zu lassen: Büro, Haushalt, Kultur, Kunst, Sport, Sex. Nichts davon verdient übermäßige wache Aufmerksamkeit. Dem Perfektionisten mag einiges Weniges gelingen: dafür verschläft er alles Andere. Lernen wir von den cleveren Fruchtflieginnen die Vorzüge der Halbwachheit. Mehr Sex bedeutet es allemal.

Die Zeitung von gestern (10)

Internationale Eliten? Wo denn bitte? (2.8.2017)

Thomas Thiel rezensiert in seinem FAZ-Feuilleton-Aufmacher vom 1.8.2017 das bereits im September 2016 erschienene Buch von Michael Hartmann Die globale Wirtschaftselite. Eine Legende. Der Soziologe und Elitenforscher, der bis 2014 an der TU Darmstadt unterrichtet und bspw. schon 2002 den Mythos von den Leistungseliten aufs Korn genommen hatte, stellt vor allem die vermeintliche internationale Herkunft, Erfahrung und Haltung heutiger Wirtschaftsbosse in Frage. Das Bild eines postmodern-nomadisch kreuz und quer und hin und her über den gesamten Globus operierenden Wirtschaftsführertums wird, so zeigt Hartmann, durch nüchterne Zahlen und Statistiken als Chimäre entlarvt. „Die meisten Unternehmensführer“, schreibt Thiel, „durchliefen Hauskarrieren, und wenn sie längere Zeit im Ausland verbrachten, war das nur in den wenigsten Fällen mit einem Wechsel des Unternehmens verbunden“. Und nur 23 von 1000 der „mächtigsten CEOs“ haben im Ausland studiert. „Wenn es deutsche Vorstandsmitglieder zum Studium in die Ferne zog“ (nur 3,5 %), „dann kamen sie kaum über die Schweiz hinaus“. Dementsprechend bieder, hausbacken-heimisch und national orientiert seien die „Unternehmensführer“ generell, eine „kosmopolitische Mentalität in diesen Kreisen“ sei kaum zu vermuten.

Das klingt so verlockend wahr und richtig, daß man es sich nur mit Mühe verkneifen kann, es mit eigenen Eindrücken, auch wenn sie nur auf wenigen und sporadischen eigenen Kontakten mit der sog. „Wirtschaftselite“ vor Ort beruhen, umfassend zu bestätigen. Wie bei allen Entmythisierungs-Offenbarungen sollte man sich wahrscheinlich vor der Hurra-Zustimmung in Acht nehmen, die sofort „Endlich sagt es mal einer!“ ausruft. Denn das würde ja auf unverzeihliche Weise dem allzu nahekommen, was es ja, auf wissenschaftliche Fakten und Zahlen gestützt, genau zu vermeiden gilt: dem Populismus.

Um so unverständlicher ist es, wenn Thiel gerade meint, die Erkenntnisse von Hartmann seien „natürlich Wasser auf die Mühlen der populistischen Proteste gegen einen kosmopolitischen Liberalismus“ und einen Artikel des Schweizer Historikers Caspar Hirschi in der NZZ vom 19.6. zitiert, in dem dieser behauptet hatte, der europäische Populismus habe einen Realgrund in der tatsächlich anzuprangernden Existenz einer „kulturell offenen“ globalen Elite, die überall auf der Welt (so etwa auch in „halbparlamentarischen Diktaturen wie Singapur“) leben könne, weil für sie sowieso nur „Komfort und Konsum, Stabilität und Steuerprivilegien“ zähle. Die von Hirschi geschilderten Zustände gäben, schreibt wiederum Thiel, „dem Protest gegen das Establishment ein nicht zu entkräftendes Argument an die Hand“.

Bitte? Thiel selbst hat doch gerade ein Buch gelesen und eben vorgestellt, das genau das tut: es „entkräftet“ dieses „Argument“. Die von den Populisten imaginierte internationalisierte Elite gibt es gar nicht, sondern ist – hier ziemlich präzise gut erprobten antisemitischen Propaganda-Strategien folgend („Weltjudentum“) – ein künstlich aufgebauschter Popanz, den man mächtig macht, nur um auf ihn um so heftiger einschlagen zu können. Hartmann, weiß Thiel selbst im nächsten Satz plötzlich wieder, sei dafür, „daß man einer Klasse, die es nicht gibt, keinen vorauseilenden Gehorsam leisten sollte“. Und man darf hinzufügen: man könnte es dann ja vielleicht auch unterlassen, von einer nicht existierenden „Klasse“ zu sprechen und denen, die das tun, deutlich machen, daß sie gegen nichts „protestieren“, sondern schlicht Unsinn reden.

Und das erledigt keinesfalls die nach wie vor notwendige und legitime Kritik an den „Unternehmereliten“: es erschwert sie nur, weil sie sich nicht mit Pauschalisierungen, Personalisierungen und vorschnellen Verortungen (und auch eine „im Ortlosen“ ist eine) zufriedengeben kann. Auch wenn – und gerade wenn – man statt mit jetsettenden, vielsprachigen, multikulturell-kosmopolitischen Tausendsassas mit bodenständigen, einheimischen, unternehmenstreuen, kulturell konservativen, braven deutschen Durchschnittsunternehmern ohne Auslandserfahrung zu rechnen hat, die sich leicht unter den realitätsfernen Anti-„Establishment“-Parolen von AfD & Co. wegducken können, handelt es sich ja um eines nicht: um harmlose Eliten. Die hämische Frage, die man laut Thiel dem „nächsten Unternehmensführer“ stellen soll, „der den unaufhaltsamen Aufstieg des globalen Nomadentums beschwört“, nämlich die nach seinem Wohnort, ist dann selbst viel zu harmlos.

Die Zeitung von gestern (9)

Chill mit Churchill (30.7.2017)

Der Sportteil der gestrigen Samstags-FAZ (29.7.) bringt – wie immer – auf der letzten Seite Christian Eichlers Doppelkolumne („Chapeau“/“Attaque“). Sie öffnet mit dem Zitat der Antwort, die Churchill angeblich einmal auf die Frage nach dem Grund seines hohen Alters (trotz Zigarre und Whisky) gegeben haben soll: „First of all, no sports“. Zwar hat Christoph Drösser 2005 in seiner „Stimmt´s?“-Reihe in der ZEIT behauptet, die nur im deutschen Sprachraum bekannte Äußerung sei „mit ziemlicher Sicherheit“  erfunden, nicht nur weil sie nicht nachweisbar ist, sondern weil sie kaum zu einem Mann passe, der zumindest in seiner Jugend „Fechter, Schütze, Reiter und Polospieler“ gewesen ist, wie wiederum die Wikipedia weiß. Daß es mit der historischen Authentizität der Langlebigkeitsgarantieformel nicht weit her ist, braucht allerdings den tieferen Sinn der Sport-Abstinenz nicht zu schmälern, den man gern der souveränen, unaufgeregten Gelassenheit des englischen Welt-Politikers zugeschrieben hätte. Eichler spielt in seiner Glosse in der Tat nicht auf den im Zitatzusammenhang gemeinten gesundheitlichen Benefit an, sondern nutzt das Kurz-Motto als Kontrast für das Gebaren heutiger Politiker, die meinen sich auch als Sportler in der Öffentlichkeit zeigen zu müssen: Putin, Trump und jüngst der 46-jährige kanadische Premierminister Justin Trudeau.

Man könnte sich in der Tat fragen, welchen Politikstil und insbesondere welche Vorstellung von seinem „Wahlvolk“ ein Politiker pflegt, der ihm auch in den Kleidungsstücken (bzw. ohne solche wie Putin) und mit den Ausrüstungsgegenständen des Sportlers gegenübertreten will. Nun ist sicher auch einmal das Szepter eines Kaisers oder Königs nichts als ein symbolisierter Schlagstock gewesen; trotzdem macht es einen Unterschied, wenn ein Regierender tatsächlich mit Boxhandschuhen oder im Wrestling-Ring auf- und antritt. Denn symbolische bzw. symbolisch darstellbare Zusammenhänge werden zu gefährlichen Realitäten, wenn sie den Bereich des Zeichenhaft-Symbolischen überschreiten. Gerade weil das Politische immer auch potentielle Gewaltwirkung und Gewaltbereitschaft bedeutet, könnten Politiker es sensiblerweise für angebracht halten, das, was ihr Beruf an Durchsetzungskraft, Stärke, Mut, Ausdauer usw. an den vielen konfliktreichen Verhandlungstischen unweigerlich von ihnen fordert, nicht auch noch in platter pseudo-sportlicher Realform öffentlich zu inszenieren. Die mediale Versportlichung von Politik führt gleichzeitig zu ihrer Verharmlosung und zu ihrer Brutalisierung.

Aber daß Churchills vermutliche Nicht-Aussage trotzdem ihren eigentlichen Sinn wieder auf dem Gebiet der lebensverlängernden Vermeidungsstrategien erhält, zeigt ein Artikel, den man zwei Sportteil-Seiten vorher findet: die Nachricht über das (sportliche) Karriereende des „vermutlich schlauesten Football-Profis“ John Urschel (26), der nun doch lieber seine offenbar vielversprechende akademische Laufbahn am MIT weiterverfolgt, wird unterfüttert mit medizinischen Untersuchungen, die Gehirnschäden als Folgen von Football- und Eishockeyspiel nachweisen (daß ein Eishockey-Puck auch sichtbare Körperschäden anrichtet, kann man schon länger wissen – und sehen). Der fachmännische Begriff der „Dementia pugilistica“ weist auf die Herkunft des Syndroms aus dem Boxring hin; beim Mannschaftssport genügen offenbar „die durch ständige Kollisionen ausgelösten subkonkussiven Schläge“ für Gehirnablagerungen der „lähmenden Substanz Tau“. Kann also der enge Zusammenhang zwischen Sport und Intelligenzmangel, den man als leidenschaftlicher Nichtsportler schon immer gern vermutet hat, nun als wissenschaftlich nachgewiesen gelten? Vermutlich nicht so ohne weiteres und nicht für alle Sportarten; trotzdem wird man die straffe Verzahnung von Sport und Ausbildung, wie sie an amerikanischen Universitäten mit ihren Football-, Basketball-, Baseballmannschaften betrieben wird, für eine nicht-nachahmenswerte Praxis halten; und man wird trotzdem die römische (und dann nationalsozialistische) Sentenz der „mens sana in …“ für eine nicht unbedingt zu sportlicher Betätigung zwingende Maxime halten, genauso wie man heutigen europäischen Studenten wünschen wird, daß sie sich „ständige Kollisionen“ und „subkonkussive Schläge“ nur ganz metaphorisch durch die harte gedankliche Auseinandersetzung mit komplizierten Texten, steilen Thesen und scharfer professoraler Kritik einfangen. „No sports“, in der Tat: aber nicht (nur) aus Trägheit, sondern weil „lähmende Substanzen“ im Gehirn sicher das sind, was wir über den nicht aufhaltbaren biologischen Verfall hinaus sicher am wenigsten brauchen. Oder besser: das, was wir uns im Bedarfsfall dann doch lieber selbstbestimmt und wohldosiert zuführen: mit Zigarren, Whisky und Zeitunglesen.

Die Zeitung von gestern (7)

Kompetitive (In-)Kompetenz (14.07.2017)
von Joachim Landkammer

Schade. Man wäre gern dabei gewesen, auf einer der ganz wenigen Tagungen, die schon im Titel den Begriff nennen, der uneingeschränkte Zustimmung verdient und zu dem beizutragen man sich sofort berufen (und … kompetent?) fühlt:  die erste „Inkompetenzkonferenz“, ausgerichtet von drei Fachbereichen der Goethe-Universität zu Frankfurt (Medizin, Rechtswissenschaft, Didaktik der Biowissenschaften) und unter interdisziplinärer Beteiligung prominenter (und … kompetenter?) Vertreter u.a. aus Philosophie (Konrad Paul Liessmann) und Soziologie (Stefan Kühl).

Die FAZ, auf die man sich aufgrund eigener Absenz wiedermal verlassen muß, hat sogar in zwei voneinander unabhängigen Texten davon berichtet; Hannah Bethke („Volontärin“) durfte am 11.7 in der Rhein-Main-Ausgabe einen vor allem um den Kampfbegriff „Neoliberalismus“ kreisenden Text schreiben, Thomas Thiel hingegen hat zwei Drittel des von ihm geleiteten Ressorts „Forschung und Lehre“ am 12.7. gefüllt. Erst weitere eigene kurze Nachforschungen ergeben allerdings (so viel zur journalistischen … Kompetenz), daß der Tagungstitel den Übertitel „Kompetent in Kompetenz?“ hatte und im Untertitel die Verneinungssilbe „In“ in der „Inkompetenz“ durchwegs in Klammer gesetzt war. Damit wollten die Veranstalter offenbar andeuten, daß hinter jeder gewünschten, geforderten, erwarteten Kompetenz der Inkompetenz-Verdacht lauert, vor allem wohl bei der im Tagungsübertitel genannten Kompetenz zweiter Ordnung: wenn sich nämlich die Frage stellt, wie kompetent diejenigen sind, die über Kompetenz reden (zu dürfen glauben).

Genau das aber ist wohl in Frankfurt ausgiebigst geschehen, und zwar in ausschließlich kritisch-ablehnender Haltung (daher beschreibt die weggelassene Klammer inhaltlich das Thema doch viel genauer). Die Insistenz der „Kompetenzorientierung“ in Lehre und Ausbildung, von der Grundschule bis in die Bologna-Universität, wurde offenbar von allen Vortragenden angeprangert als naives Zugeständnis an Ökonomisierung, Arbeitsmarkt-Anpassung, Meßbarkeitswahn, standardisierte Leistungs-Objektivierbarkeit und an eine sentimental-triviale, küchensozialpsychologische Empathie-Erwartung („Spiegelneuronen“). Damit verbunden sei, so der Tenor, der Ausverkauf von Fachwissen und herkömmlicher Bildung. Die in Frankfurt zusammengekommenen Wissenschaftler verstanden sich wohl als „kämpferische“ (Bethke) Widerstandsgruppe gegen eine Bildungspolitik, der man ein freiheitsfeindliches Erziehungsbild, eine tayloristisch gedachte Vorstellung von Didaktik und daher möglicherweise sogar Verfassungswidrigkeit vorwirft.

Man kann all dem in weiten Teilen nur zustimmen. Trotzdem hätte man sich zusätzlich überlegen können, ob man nicht vielleicht effizienter (und …kompetenter?) der Kompetenz-Inflation entgegentreten kann, indem man bei dem so gehypten Unterscheidungs-Paradigma bleibt und auf das in ihm liegende Freiheitspotential der „Inkompetenz“ verweist. Denn wenn so genau bestimmt werden kann, wer wo wofür welche Kompetenzen haben muß, dann kann man doch immer auch präzise angeben, welche Inkompetenzreste übrigbleiben, die mich im Einzelfall für „inkompetent“, und das heißt ja schlicht für „nicht zuständig“ erklären. Je detaillierter die Erwartungen, desto einfacher ist es, sie zu unterlaufen und sich gut begründbar zu verweigern. Wenn die unerschöpliche Pandora-Büchse der Kompetenzen erstmal geöffnet ist, lassen sich auch leicht die Spezial-Kompetenzen (er)finden, die mich zwar im organisatorisch-arbeitsrechtlich verlangten Sinn leider als „inkompetent“, dafür aber nach so ganz anderem, bewundernswerten Alternativ-Maßstab als geradezu überwältigend „kompetent“ erscheinen lassen müssen.

Nichts anderes hatte ja Odo Marquard im Sinn, als er 1973 berühmterweise das Anforderungsprofil des Philosophen durch die „Inkompetenzkompensationskompetenz“ definierte. Wer dank außer seiner Macht stehender Verschiebungen im Wissensmanagement der Gesellschaft seine Zuständigkeit für autoritative Erkenntnisse (eben seine „Kompetenz“) verloren hat, kann immer noch aus dieser Unzuständigkeit eine Tugend machen. Denn auch diese Unzuständigkeit, also das (Noch-)Nicht-Wissen, die Unsicherheit, das Dilettantische, das (aktuell) Illegitime will verwaltet, betreut, gepflegt werden; freilich nicht „irgendwie“, sondern eben: „kompetent“. Vielleicht sollte man also bei aller – völlig richtigen – Kompetenzbegriffskritik nicht die Kompetenz der Inkompetenz außer Acht lassen. Auch wenn die Gesellschaft dazu tendiert, es zu vergessen: ihre Zustände brauchen auch Unzuständige.

Die Zeitung von gestern (6)

„Die Schanze brennt? Das ist doch Käse! / Geht doch zündeln in Blankenese!“ oder: Das Rote Sancta-Flora-Prinzip
von Joachim Landkammer (12.7.2017)

Viel Kritik, Entrüstung und Verachtung (es droht sogar ein Strafverfahren) hat er schon einstecken müssen, der Anwalt und Sprecher der Roten Flora Andreas Beuth für sein sehr oft zitiertes, wohl etwas unvorsichtig einem Reporter in die Kamera geplappertes Nach-G-20-Statement: dafür, daß man das eigene Viertel, „wo wir wohnen und einkaufen“, verwüste, hätte er dann („bei aller Sympathie“ für den schwarzen Block) doch kein Verständnis; warum man sich nicht stattdessen an Hamburgs vornehme Stadtviertel wie „Blankenese oder Pöseldorf“ gehalten habe?

Dabei muß ja sofort auffallen, daß der aberwitzige Kommentar nur ein altbekanntes linkes Problem reaktualisiert. Beuths neues Rotes St.-Flora-Prinzip ist ja nicht nur eine linksideologisch politisierte Version des gutbürgerlichen St.Florians-Spruchs („Heiliger Sankt Florian / Verschon mein Haus, zünd andre an“ – die Amerikaner sprechen vom NIMB-Denken: „Not In My Back Yard“), sondern operiert ja auch mit jener Unschärfe, die revolutionäre Rhetorik seit den altehrwürdigen Vormärz-Tagen charakterisiert, in denen der Hessische Landbote die Losung „Friede den Hütten! Krieg den Palästen!“ ausgegeben hatte.

Daß das bis heute noch nie so recht geklappt hat, weil am Ende dann doch immer ganz viele „Hütten“ und sehr wenige „Paläste“ gelitten hatten, hat offenbar nichts an der Attraktivität des Slogans geändert. Die Illusion, daß sich eine klare Grenze ziehen lasse (jene „rote Linie“, von der merkwürdigerweise immer dann die Rede ist, wenn sie gerade überschritten wurde) zwischen denen, die die Gewalt „verdienen“ und denen, in deren Namen sie ausgeübt wird und die daher von ihr verschont bleiben müssen, hat sich über Jahrhunderte linker Generationen erhalten, trotz massiver historischer Gegenbeweise.  In der Tat war diese Grenze im Eifer des revolutionären Gefechts auch nie wirklich sinnvoll einzuhalten: daß immer mehr Hütten brannten als Paläste, liegt nicht nur daran, daß es immer sehr viel mehr Hütten als Paläste gibt, sondern auch daran, daß man, gerade wegen dieser quantitativen Asymmetrie, immer gern ruhig ein paar kaputte Hütten in Kauf nehmen zu können glaubt, nur damit endlich auch einmal die Paläste mit draufgehen. Das sind dann eben die Späne, die fallen müssen, wenn der revolutionäre Hobel angesetzt wird, die Eier, die man für das Revolutionsomelett eben nun mal zerschlagen muß, die „Opfer“, ohne die „großes Handeln“ nun mal nicht geht (großes Denken übrigens auch nicht: „Wer groß denkt, muß groß irren“, tönt Heidegger, der es ja schließlich wissen muß).

Über die skrupellose Opfer-Logik hinaus darf man aber auch davon ausgehen, daß es leider ziemlich „gute“ Gründe dafür gibt, entgegen dem gut gemeinten, beschwichtigenden Slogan gegen die (eigenen) Hütten sogar als revolutionäres Primärziel vorzugehen. Denn der gefährlichste Feind der Revolution mußte ja schon seit langem viel eher auf jener Seite ausgemacht werden, die man eben nur im vorrevolutionären Dämmerzustand noch für die „eigene“ halten konnte. Jeder auch nur minimal-links sozialisierte Teenager kann heute jenen berüchtigten Reimvers (wenn wir nun schon mal bei solchen sind) ergänzen, der mit der rhetorischen Frage beginnt „Wer hat uns verraten?…“. Seit der Spaltung der Linken in „Halb-“ und „Wirklich“-Linke, seit dem Schisma zwischen Reform und Revolution, ist den radikalen Minderheitslinken klar, wo sie zuallererst ihre mehr oder weniger subtile Überzeugungsarbeit leisten müssen. Die ganze Naivität (oder muß man sagen: die „Autonomie“?) des Autonomensprechers enthüllt sich in der geschichtsblinden Ignoranz, die ihn an der Einsicht hindert, daß die Revolution natürlich nur im Schanzenviertel und eben nicht in Blankenese beginnen kann. Denn während ein brennender Luxuswagen in den wohlhabenden Vierteln nur ein Versicherungsfall und nach ein paar Tagen durch einen neuen, noch luxuriöseren ersetzt ist, führen Zerstörungen im Kleinbürger-Viertel genau zu jener Wahrnehmung sozialen Existenzverlusts, permanenter Bedrohung und auswegloser Hilflosigkeit, die – endlich, endlich – auch noch den optimistischsten Revisionisten in klassenbewußte Revolutionsbereitschaft versetzt, oder: versetzen soll. Denn das zumindest ist das geschichtsblinde Kalkül: daß die bedrohte Petite-Bourgeoise, wenn ihre „Hütte brennt“, stattdessen lieber das ultrarechte Löschkommando ruft und Schutz vor dem schwarzen im braunen Block sucht, könnte man ebenfalls schon lange wissen – und fürchten.

Umsonst ist die Anrufung von Sancta Flora wie die von Sankt Florian. Gewalt ist eben ein kaum lokal zu begrenzendes Phänomen: es nach „Blankenese“ auslagern zu wollen ist so naiv wie die Idee des cleveren Zauberlehrlings, der sich eben mal Wasser für die Badewanne holen lassen wollte. Gewalt ist der Bumerang, der immer wieder zurückkommt und auf die eigenen Füße fällt*; Gewalt ist ein Virus, eine unzähmbare Krake, ein (anti)-zivilisatorisches Urelement, mit dem auch nur zu kokettieren man sich vielleicht heute endlich versagen sollte.

* „that we but teach / Bloody instructions, which, being taught, return / To plague th‘ inventor“ (Macbeth 1.7)

Die Zeitung von gestern (5)

Nachgereichte Legitimation der Gleichzeitigkeit
Von Joachim Landkammer (11.07.2017)

„Nach Hamburg“: mit deutscher Gründlichkeit beginnen am day after unverzüglich die Aufräumarbeiten, auf den Straßen wie im Blätterwald. Die einen kehren beflissen mit Schäufelchen und Besen noch den kleinsten Krümel vom Pflaster des verwüsteten Schanzenviertels (und man wird den Verdacht nicht los, daß das eifrige freiwillige Helfervolk damit nachholend Sühne leistet für jenen versäumten Widerstand gegen die Chaoten, den es, gewaltfasziniert gaffend, am Tag davor hat fehlen lassen). Die anderen räumen auf andere Weise auf – und ab: für sie ist nun die Stunde der großen Bilanzierung, der Nutzen-Kosten-Abschätzung, der Gewinn-Verlust-Rechnung und der Suche nach dem möglichen Positiven gekommen, das sich dem vielfältig medial bebilderten Nicht-ganz-so-Positiven entgegenstellen ließe; Zeit also für Erklärungen und Deutungen, und damit auch für Rechtfertigung, Verklärung und Verharmlosung. Besonders auf der linken Seite des politischen Spektrums ist dieser schönredende Legitimationsdruck zu spüren, muß doch das Desaster der Hamburger Gewalteskalation recht eindeutig mit den erklärten Strategien und Haltungen heutiger linksextremer „Politik“ (wenn man das denn so nennen will) in Zusammenhang gesehen werden.

Die einfachere Variante, die der „öffentlichen Distanzierung“, empfiehlt sich, obwohl vielfach für sie optiert wird, aus mehreren Gründen eigentlich nicht (wie man in der „Roten Flora“ ja sofort erkannt hat). Denn damit würde man sich von einem möglichen Aktions- und Drohpotential, einem so verschwiegen-verdeckten wie effizienten Verbündeten lossagen, den man bei nächster Gelegenheit gut wieder auf der eigenen Seite gebrauchen kann – und den man vor allem partout nicht als Gegner haben will. Nichts fürchtet man nämlich auf der linken Seite mehr als einen Zweifrontenkrieg, in dem man zwischen „Rechts“ (also bürgerlicher Mitte) und „Ganz-Links“ zerrieben wird. Die Rede von den „Linksfaschisten“, die die peinliche allzu-linke Verwandtschaft geschickt in die rechte Ecke stellen will, würde ebenfalls zur sich daraus ergebenden Taktik der klaren Einheitsfrontlinie passen, ist aber ihrerseits natürlich problematisch, weil sie ja implizit das als alleinige Alternative übrig läßt, was die Linke ebenso, wenn nicht noch mehr perhorresziert: die nicht-extremistische Mitte. Man braucht also – und dafür nimmt man unbequeme Erklärungsnöte in Kauf – die linksautonome Szene, und sei es als Stachel im Fleisch der eigenen Trägheit, als Remedium gegen das eigene schlechte Gewissen aufgrund mangelnder „Radikalität“ und „Durchsetzungskraft“. Eine nicht ganz von der Hand zu weisende Vermutung wäre doch: jede(r), die/der da fröhlich singend im „bunten Block“ mitmarschiert und das lustige Anti-Trump-Plakat hochhält, schämt sich insgeheim über die doch, global gesehen, eher lächerliche Vergeblichkeit des eigenen Tuns und kann sich daher der altbekannten „klammheimlichen Freude“ nicht erwehren, wenn dann abends der schwarze Block wirklich „antikapitalistisch“ zur Sache geht, wenn von den Banken, die man abstrakt für alles Böse der Welt verantwortlich hält, endlich ganz konkret nur zertrümmerte Fensterscheiben und zerstörte Geldautomaten übrigbleiben. Die schwarzen Alliiertentruppen steuern zum „Protest“ gern den Hardcore-Aktivismus bei, zu dem den braven Bunten der Mut fehlt (er reicht bei ihnen nur zu markigen Sprüchen: „Welcome to Hell“); zum Dank dafür dürfen die Chaoten gleich nach ihren Ausschreitungen wieder schöne bunte Mäntelchen über die schwarze Kluft werfen und in der Protest-Light-Menge ihrer halbherzigen Gesinnungsbrüder und -schwestern untertauchen.

Wie? Eine bösartige Unterstellung? Eine perfide Denunziation der ganzen „friedlichen“ Protestkultur? Vielleicht, aber warum fällt dann den Linken die Distanzierung so schwer? Und zwar nicht nur die verbale, die offizielle, post festum propagierte: vereinzelt hatten die Medien am frühen Samstagabend noch gemeldet, daß Umstehende versucht hätten, Tätlichkeiten schwarz Vermummter zu verhindern oder zumindest offen zu kritisieren. Damit war dann aber wohl bald Schluß und man beschränkte sich aufs Zuschauen und Handyzücken (womit sich das Phänomen bestätigt, daß Gewaltausübung immer die Resultante von Aktion der einen und Nicht-Aktion der anderen, der tatenlos-komplizenhaften bystander, ist: damals in Hoyerswerda wie jetzt im Schanzenviertel).

Martin Kaul bietet daher, wenig überraschend, in der taz von gestern (9.7.) statt einer klaren Distanznahme einen „Deutungsvorschlag“ an. „Man kann die Ausschreitungen von Hamburg verurteilen – natürlich“, heißt es da von oben herab. Aber das billige Verurteilen überläßt man lieber dem kleinlichen Spießer, man selbst zielt auf Höheres: „Man sollte sie aber auch verstehen“. Daß, wer sie „verstanden“ hat, sie auch nicht mehr „verurteilen“ kann (man spielt wieder einmal mit der Verwechselbarkeit von comprendre und pardonner), wird in Kauf genommen, es gilt ja offenbar auch als Distinktionsmerkmal.  Worin besteht nun aber Kauls Deutungsvorschlag? Statt einer theoretischen Argumentation werden hier „Augen öffnende“ Momente, Bilder, Evidenzerfahrungen geboten. Durch die Gleichzeitigkeit der Fernsehbilder aus der Elbphilharmonie und der marodierenden Gipfelgegner, der TV-Screenshots, die schon in den sozialen Medien viele fasziniert haben, soll genau jenes „Bild einer Gegensätzlichkeit“ produziert worden sein, „auf das die militante Szene Europas seit Monaten hingearbeitet hat“. Das wird von Kaul als „Erfolg“ gefeiert, als „Erfolg, die Wahrnehmung zu erzeugen, daß die Welt aus den Fugen ist“.

Zunächst muß ja verwundern, daß man sich bzw. der „militanten Szene“ als „Erfolg“ zuschreibt, was ja nicht mehr ist als ein relativ banaler regietechnischer Einfall der bürgerlichen Kommunikationsmedien: das Nebeneinanderstellen von Bildern, die nichts gemeinsam haben als die (im übrigen ja nur behauptete, kaum nachprüfbare) Synchronizität. Aber anstatt daraus nun den triftigen Schluß zu ziehen, der zum kleinen Einmal-Eins der Medienkompetenz gehört – daß Realität eben komplex, vielschichtig und uneindeutig ist, und daher aus verschiedenen möglichen, manchmal eben auch gleichzeitigen Perspektiven beobachtet werden muß – wird aus diesen Parallelbildern eine in sich völlig eindeutige unmittelbare „Gegensätzlichkeit“ konstruiert, ein glasklarer „Antagonismus“,  aus dem sich u.a. der binäre „Kontrast zwischen Arm und Reich“ ebenso ergeben soll wie auch der Widerspruch zwischen Beethoven/Schillers  Verbrüderungshymne (die Angela Merkel ihren Gästen als „Erziehungsmaßnahme“ verordnet haben soll) und dem „Sound“ jenes radikal-antikapitalistischen Pamphlets vom „kommenden Aufstand“, auf den nach Kaul die Verwüstung in den Straßen bezogen werden muß. Daß solch verschwurbelte Dialektik, die aus reiner, man würde ja sagen: zunächst vollkommen kontingenter, Gleichzeitigkeit schon ein Argument machen zu können glaubt, einer ziemlich durchschaubar sensationalistischen massenmedialen Bilderlogik unkritisch aufsitzt, ist nur das eine Problem. Das andere ist das Armutszeugnis einer linken Theorie, die sich nicht nur selbst durch solche dem leichtgläubigen TV-Konsum abgewonnene Erleuchtungs-„Momente“ legitimiert fühlt, sondern mit diesen merkwürdigen Erkenntnis-Epiphanien auch gewaltbetrunkenen Marodeuren einen politischen Persilschein ausstellt. Denn die nicht ausgesprochene, aber vermutbar intendierte Aussage soll ja offenbar sein: wenn die einen sich so weltfremd-zweckfrei verhalten dürfen, im Konzertsaal biederste Klassik zu hören, werden doch wohl die andern sich gleichzeitig vergleichbar weltfremd-zweckfrei verhalten dürfen, indem sie sinnlose Gewalt gegen Personen und Sachen zu verüben…

„Post hoc ergo propter hoc“ lautet ein beliebter Fehlschluß, den man im Logik-Proseminar vermeiden lernt: was später als etwas anderes geschieht, ist deswegen noch lange nicht vom Vorausgehenden verursacht. Das Logik-Versagen des linken Gewalt-Legitimations-„Deutungsvorschlags“ rechnet mit einem anderen Temporalitätsverhältnis, das aber genauso falsche Schlußfolgerungen liefert: warum sollte ein Geschehen etwas mit einem anderen zu tun haben, nur weil es gleichzeitig passiert? Daraus, daß die einen eine Beethoven-Symphonie hören, während die anderen Steine auf Polizisten werfen, ergibt sich genau besehen ungefähr soviel sachlich verwertbare Brisanz wie aus der Erkenntnis, daß es in der Parterre-Wohnung Wurstbrot, im 1. Stock hingegen gerade Käsebrot zum Abendessen gibt. Freilich ist die verführerische Scheinplausibilität der Ereignis-Simultaneität ein allseits beliebtes rhetorisches Mittel. Wer etwa sehen will, wie virtuos man dieses jetzt auch von der taz beschworene Pathos der Gleichzeitigkeit ideologisch mißbrauchen kann, darf sich mal – wenn man es denn durchhält – die Rede anhören, die der ultrarechte Vordenker Götz Kubitschek beim „Festkommers der Deutschen Burschenschaft 2015 in Eisenach gehalten hat; auch dort werden beliebig herausgegriffene Realitätsfragmente, die angeblich alle „jetzt in dieser Stunde, in der wir hier zusammen sitzen“ passieren, so miteinander verknüpft und mit übergreifendem Sinn überladen, daß sich aus dieser puren Gegenwarts-Transzendenz eine eindeutige politische Botschaft ergibt. Und sei es nur die des an- und Taten ein-klagenden Appells, in den heute ja Rechte wie Linke gern unisono einstimmen: daß „die Welt aus den Fugen“ sei – was ja angesichts der angeblich so wunderbar stimmig zueinanderpassenden Splitscreen-Bilder wiederum eine unstimmige Diagnose scheint…

Niemand wird die Trivialität abstreiten, daß diese Welt voller Widersprüche, Unstimmigkeiten, Ungerechtigkeiten ist. Aber daß sich Lösungen oder, wie die post-hanseatische Linke á la taz meint proklamieren zu müssen, sogar politische „Erfolge“ derer, die sie beseitigen wollen, schon dann abzeichnen, wenn Ereignisse über den Bildschirm flimmern, deren Synchronizität suggeriert, daß sie sich „irgendwie“ gegenseitig erklären und rechtfertigen, bedeutet dann doch, die Leistungsfähigkeit (auch linker) politischer Theorie weit unter ihrem Niveau zu verkaufen. Vom moralischen Ausverkauf durch die nicht abgeleugnete Komplizenschaft mit aus dem Ruder laufenden Gewalttätern ganz zu schweigen.