Kleine Kant-Schriften III: Pflichten- oder Tierethik?

Joachim Landkammer Kants 1793 in der „Berlinischen Monatsschrift“ (neun Jahre zuvor war dort auch „Was ist Aufklärung?“ erschienen) publizierte Abhandlung „Über den Gemeinspruch: Das mag in der Theorie richtig sein, taugt aber nicht für die Praxis“ ist Teil seiner sich länger hinziehenden Auseinandersetzung mit dem „Popularphilosophen“ Christian Garve.

Kleine Kant-Schriften II: Was ist das „Bedürfnis der Vernunft“?

Joachim Landkammer In dem kurzen Essay „Was heißt: sich im Denken orientieren?“ (1786), der als Kants „Beitrag zum Pantheismus-Streit“ (1785ff.) geführt wird – in dem der Philosoph Friedrich Heinrich Jacobi nachweisen wollte, daß der Spinozismus aufgrund seines rationalistischen Pantheismus‘ zum Atheismus führen muß (was Spinoza-nahe Intellektuelle wie Lessing, Goethe, Herder, Mendelssohn hochgradig beunruhigen und diskreditieren sollte) – positioniert sich Kant, nach wiederholter Aufforderung, doch zu der Debatte Stellung zu nehmen, zwischen den beiden Fronten:

Kleine Kant-Schriften I: Die anti-heroische Geschichtsphilosophie der Aufklärung

Joachim Landkammer Es scheint durchaus sinnvoll, Kants Idee zu einer allgemeinen Geschichte in weltbürgerlicher Absicht VOR der Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung? (beide aus dem Jahr 1784) zu lesen, wie im Spirituskreis geschehen. Denn auch die Aufklärungsschrift hat deutliche Bezüge zum optimistischen Fortschrittsglauben von Kants Geschichtsphilosophie.

Nein, Herr Feldwebel Montaigne! Gegen einen bestimmten philosophisch-soldatesken Ton im Umgang mit dem Tod

Die gestrige Sitzung des Spiritus-Kreises zu Montaignes Essay „Philosophieren heißt sterben lernen“ (I.20) hat zu einer teilweise hitzigen Debatte geführt, in der ich eigentlich Folgendes sagen wollte: Montaigne hat Recht. Man kann versuchen, das Verhältnis von Leben und Tod so zu denken, wie er es vorführt, man kann versuchen, so mit der Todesangst umzugehen und sie so zu beruhigen, zu besänftigen, zu „therapieren“. Das hat seine lebenspraktischen „Vorteile“, auf die er ja nicht müde wird,… Weiterlesen

Umzug des Blogs

Den aktuellen Mitgliedern des Spirituskreises wird es wohl bereits bekannt sein, alle anderen seien hiermit auf den Umzug des offiziellen Weblogs des Spirituskreises von texlabyrinthe.de nach http://spiritusblog.com hingewiesen. Der Anfangspost auf dieser Seite machte es bereits deutlich: das Labyrinth kennt viele Ein- und Ausgänge, und noch mehr Querverbindungen. Die Vernetzung der Texte online legt echte Ausgänge, wie jedes gute Labyrinth, nicht wirklich nahe. In diesem Sinne endet hier auch nichts, sondern geht einfach dort weiter. Was in Zukunft auf… Weiterlesen

Wie gut darf/muß ein Liebesgedicht sein? Oder: In Defense of Orlando Nachtrag zur Diskussion im Shakespeare-Seminar

In Shakespeares „Wie es euch gefällt“ (3. Akt, 2. Szene) schreibt Orlando Liebes-Gedichte und hängt sie an Bäumen im Wald von Arden auf. Sie werden gefunden und (dem Publikum) vorgelesen, vom Narr Touchstone für gut parodierbar und daher schlecht befunden und auch von der im Gedicht Angeredeten offenbar nicht wirklich einer Verteidigung für würdig gehalten; Rosalind wehrt nur den Narr ab („Out, fool“!), der sich über sie lustig macht. Aber verteidigen und aus ihrer puren… Weiterlesen

Die Über-zeugten über-stimmen: Schuld und Chance der Nicht-Wähler

Von Joachim Landkammer „Wenn das Europa ist“, sagen die Anti-Europäer und deuten mit dem Finger auf bestimmte Brüssler Fragwürdigkeiten, „dann wollen wir keine Europäer mehr sein“. Well, gegen ausgestreckte Finger läßt sich schlecht argumentieren. Man könnte stattdessen aber selber den Finger ausstrecken. „Wenn das Demokratie ist“, sagen wir also und deuten auf bestimmte Folgen englischer Volks-Referenden sowie auf bestimmte Parteien in bestimmten bundesdeutschen Landtagen, „dann wollen wir keine Demokraten mehr sein“. Wäre das eine angemessene,… Weiterlesen

Der Mythos von Schuld und Selbstverursachung

von Joachim Landkammer Der Amoklauf von München läßt über die psychologischen Hintergründe solcher Taten spekulieren – auch wenn die sich zu Wort meldenden „Experten“ natürlich beanspruchen, jetzt nach dem Bekanntwerden einiger biographischer Kenntnisse zum Täter mehr als nur Spekulationen (von denen es ja vorher voreilig viele gegeben hatte) zu bieten zu haben. Mit „Depressionen“, an denen laut Peter Langman (dessen Buch Amok im Kopf beim 18-jährigen Täter gefunden wurde) 9 von 10 Amokläufern leiden, würden… Weiterlesen